LinksBlick (Jüterbog) - Februar 2009

90 Jahre Kommunistische Internationale

Historischer Rückblick

Vom 2. bis zum 6. März 1919 kamen in Moskau 51 Delegierte aus 29 Ländern zusammen, um auf Betreiben der russischen Bolschewiki und insbesondere W. I. Lenins - und in deutlicher Abgrenzung zur sozialdemokratischen Zweiten Internationale - die Gründung der Dritten, der Kommunistischen Internationale, zu beschließen. Hugo Eberlein, der Vertreter der erst zwei Monate zuvor gegründeten KPD, hatte von seiner Partei - noch auf Betreiben von Rosa Luxemburg, die im Januar 1919 ermordet worden war - den Auftrag erhalten, der Gründung der Komintern zu diesem frühen Zeitpunkt nicht zuzustimmen. Am dritten Sitzungstag erklärte er deshalb: "Wenn hier gesagt wird, dass die Gründung der III. Internationale eine unbedingte Notwendigkeit sei, wagen wir das zu bestreiten. [...] Was eine III. Internationale sein muss, ist nicht allein ein geistiges Zentrum, nicht allein eine Institution, in der sich die Theoretiker gegenseitig heiße Reden halten, sondern sie muss die Grundlage einer organisatorischen Macht sein." Gerade diese "organisatorische Macht" war es aber, die Rosa Luxemburg Sorgen bereitet hatte. Und die Geschichte sollte ihr Recht geben. Gab es bis zum Tode Lenins im Januar 1924 noch regelmäßige Kongresse der Komintern und Beratungen der Mitgliedsparteien, die von Verbundenheit und gegenseitigem Respekt gekennzeichnet waren, so änderte sich das in der Folge sehr schnell. Auch die Komintern wurde zum Schauplatz der Machtkämpfe in der Führung der sowjetischen KP, in deren Verlauf Stalin die Komintern-Vorsitzenden Georgi Sinowjew und Nikolai Bucharin ausschalten und die Komintern selbst, spätestens ab 1928, zum reinen Erfüllungsgehilfen sowjetischer Außenpolitik degradieren konnte. Dem Aufstieg des Faschismus standen die Komintern und die kommunistische Bewegung deshalb weitgehend hilflos gegenüber, obwohl es immer wieder warnende Stimmen gegeben hatte, die jedoch vom bürokratischen Apparat der sich als "Weltpartei" verstehenden Komintern stets zum Schweigen gebracht wurden.

Einen letzten Höhepunkt erlebte die Komintern 1935 mit ihrem 7. Weltkongress. Angesichts des in Deutschland und anderen Ländern marschierenden Faschismus und der unmittelbar drohenden Kriegsgefahr setzte sich nunmehr unter dem maßgeblichen Einfluss Georgi Dimitroffs die Erkenntnis durch, dass das einzige wirksame Instrument gegen Faschismus und Krieg eine Volksfrontpolitik wäre, in der Kommunisten, Sozialisten und bürgerliche Demokraten zusammenstehen. Im Mai 1943 schließlich verfügte Stalin die Auflösung der Kommunistischen Internationale, es war dies ein Geschenk an die Regierungen der USA und Großbritanniens, den wichtigsten Verbündeten im Rahmen der Anti-Hitler-Koalition.

Autor: Ronald Friedmann
Ausgedruckt am: 19. Juni 2024
Quelle: www.ronald-friedmann.de/ausgewaehlte-artikel/2009/90-jahre-kommunistische-internationale/